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Knochenmarkspende-Transplantation

Knochenmarktransplantation ist Aufbau-Arbeit

Krebsmedikamente bringen alle Zellen um, die sich schnell teilen – auch die überlebenswichtigen Blut- und Immunzellen. Nach einer aggressiven Chemotherapie muss das körpereigene Abwehrsystem, das Immunsystem, wieder neu aufgebaut werden: mit einer Knochenmarktransplantation. Das Verfahren ist nicht ohne Risiken für Patienten. Denn bis sich das Immunsystem erholt hat, kann selbst ein banaler Schnupfen lebensgefährlich sein für die Patienten.

 

Was ist eine Knochenmark-Transplantation?

Knochenmark-Transplantation bedeutet: Patienten bekommen von gesunden Menschen Blutzellen, die in ihrer Funktion noch nicht festgelegt sind. Diese Blutstammzellen sitzen gewöhnlich im Knochenmark und reifen dort heran. Sie können zu roten Blutkörperchen werden, zu Blutplättchen, aber auch zu den verschiedenen weißen Blutkörperchen des Immunsystems. Die Blutstammzellen sollen das Blutsystem und das komplexe körpereigene Abwehrsystem eines Patienten wieder aufbauen. Durch die Chemotherapie hat das Immunsystem gelitten. Denn die Krebsmedikamente richten sich nicht allein gegen Tumorzellen, sondern gegen alle Zellen, die sich schnell teilen. Die Zellen des Blut- und Immunsystems reagieren besonders empfindlich.

 

Wie lange dauert die Behandlung?

Etwa zehn Tage dauert es, bis die neuen Blutstammzellen ihren Weg zurück gefunden haben in das Knochenmark und damit beginnen, das Blut- und Immunsystem neu aufzubauen. Bis dahin sind Patienten besonders empfindlich für Infektionen. Wann kommt eine Knochenmark-Transplantation zum Einsatz? Eine Knochenmarktransplantation kann bei bösartigen Blutkrankheiten wie Leukämien oder Lymphomen zum Einsatz kommen. Aber auch bei anderen Krankheiten, wie soliden Tumoren und schweren Autoimmunerkrankungen. Das sind Krankheiten, bei denen das Immunsystem fehlgeleitet ist und körpereigene Strukturen und Gewebe angreift.

 

Welche Arten der Knochenmarktransplantation gibt es?

Autologe Transplantation

Nach einer intensiven Chemotherapie erhält ein Patient seine eigenen Stammzellen zurück. Sie sind vor der Chemotherapie gesammelt, aufgereinigt und tiefgefroren worden.

Allogene, verwandte Transplantation

Der Knochenmark-Zellen-Spender ist mit dem Patienten blutsverwandt. Als Zellspender kommen vor allem Geschwister in Frage. Die gespendeten Blutstammzellen stimmen in den Gewebemerkmalen (den HLA-Merkmalen) mit denen des Empfängers überein.

Allogene, nicht verwandte Transplantation

Der Knochenmark-Zell-Spender ist nicht mit dem Patienten verwandt. Er wurde in der Regel durch Suche in einem nationalen oder internationalen Spenderregister gefunden. Die gespendeten Blutstammzellen stimmen in den Gewebemerkmalen (den HLA-Merkmalen) mit denen des Empfängers überein.

 

Was, wenn kein passender Spender gefunden wird?

Dann wird versucht dem Patienten mit einer anderen Behandlung zu helfen, also einer Strahlen- oder Chemotherapie. Die Heilungschancen sind dann aber oft geringer. Bei einigen Erkrankungen ist eine Heilung ohne Transplantation nicht möglich.

 

Wie wird die Knochenmarktransplantation durchgeführt?

Erst muss ein geeigneter Knochenmarkspender gefunden werden. Zwei Wochen vor dem Transplantations-Termin kommt der Patient in die Klinik. Dort werden wichtige Untersuchungen durchgeführt. Eine Woche vor der Transplantation kommt der Patient auf die Intensivstation. Dort beginnt die eigentliche Vorbereitungsphase. Der Patient bekommt erneut eine Chemotherapie, die so aggressiv sein muss, dass das kranke Knochenmark vollständig zerstört wird. Zuweilen wird zusätzlich noch Ganzkörperbestrahlung durchgeführt. Das Ziel ist, möglichst alle Tumorzellen im Körper zu zerstören.

 

Nach der Chemotherapie

…wird die eigentliche Knochenmarktransplantation eingeleitet. Der Patient kommt auf ein besonders keimarmes Zimmer, denn er ist jetzt extrem anfällig für Infektionen.

 

Was geschieht mit dem Spender?

Dem Spender wird unter Vollnarkose Knochenmark entnommen. Die Zellen werden aufbereitet und dem Patienten langsam in die Vene gegeben. Die transplantierten Knochenmarkzellen werden im Blutstrom transportiert, nisten sich dann im Knochenmark des Patienten ein und beginnen, neue, gesunde Blutzellen zu bilden. Dieser Vorgang ist für den Patienten schmerzfrei. Um die Gefahr von Infektionen so gering wie möglich zu halten, bleibt der Patient etwa vier Wochen in dem keimarmen Zimmer, danach kann er in ein normales Krankenzimmer verlegt werden.

 

Was sind mögliche Komplikationen?

Bei Transplantationen können eine Reihe von Komplikationen auftreten. In seltenen Fällen kann es passieren, dass die transplantierten Zellen sich nicht im Knochenmark einnisten.

 

Wenn das Transplantat den Empfänger angreift

Ein häufigeres Problem ist, dass das „neue“, gesunde Immunsystem den Körper oder Teile des Körpers des Patienten als „fremd“ erkennt und angreift. Mediziner nennen diese Reaktion „graft versus host disease“ GvHD – das bedeutet: das Transplantat greift den Empfänger an. Besonders oft greift das neue Immunsystem die Haut, die Leber oder den Darm des Knochenmark-Empfängers an. In der Regel kann diese Komplikation aber gut behandelt werden. Zum Teil ist sie sogar erwünscht: das neue Immunsystem kann helfen, übrig gebliebene Krebszellen im Körper aufzuspüren und zu vernichten. Reagiert das neue Immunsystem zu stark, steuern Mediziner mit Medikamenten gegen, so genannten „Immunsupressiva“.

 

Gibt es eine Altersgrenze?

Früher waren Mediziner zurückhaltend, Menschen über 50 Jahre mit fremden Stammzellen zu behandeln. Wenn heute Patienten über 60 Jahre behandelt werden, wird das Immunsystem des Empfängers sehr stark unterdrückt, damit die fremden Stammzellen toleriert werden und sich entwickeln können.

 

Was müssen Patienten nach der Transplantation beachten?

Es dauert bis zu zwölf Monate, bis das neue körpereigene Immunsystem vollständig aufgebaut ist. In den ersten drei Monaten nach einer Knochenmarktransplantation ist der Patient anfälliger für Infektionen als andere Menschen.

 

Das Immunsystem muss neu lernen

Im Laufe des Lebens lernen wir eine Reihe von Krankheitserregern kennen. Und unser Immunsystem lernt, diese Erreger – von harmlosen Schnupfenviren bis hin zu Masern – effektiv zu bekämpfen. Durch die aggressive Chemotherapie ist bei Patienten dieses immunologische „Gedächtnis“ zerstört. Und auch früher erworbene Impfungen müssen wiederholt werden, also Impfungen gegen Tetanus, Polio, Diphtherie, usw.

 

Einige Verhaltensregeln

…die helfen, nach einer Knochenmarktransplantation das Infektionsrisiko zu vermindern:

Achtung Sonne

Direkte Sonnenbestrahlung meiden. Bei einem Aufenthalt im Freien – auch bei bedecktem Himmel – an ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (10-20) denken.

Achtung Haustiere

Direkter Kontakt mit Tieren, Pflanzen und Pflanzenerde sollte vermieden werden. Haustiere und Zimmerpflanzen sollten für eine angemessene Zeit ausquartiert werden.

Achtung Menschenansammlungen

In der ersten Zeit ist es sinnvoll, größere Menschenansammlungen zu meiden – also Kinos, Freibäder, Restaurants, Badeseen etc.

Hygiene und Ernährung

Wichtig ist eine gründliche Körperhygiene. Bestimmte Lebensmittel können riskant sein – wie z.B.: Schweine-Mett, Tartar, Rohmilchkäse… . In Zweifelsfällen den Arzt um Rat fragen.

 

Wie funktioniert eine Knochenmarkspende?

Wer überlegt, sich als Zellspender registrieren zu lassen, muss sich zunächst einmal fünf Milliliter Blut abnehmen lassen. Das Blut wird dann typisiert, d.h. die Zellen werden auf Gewebemerkmale hin untersucht. In anonymer Form werden die Gewebemerkmale zusammen mit der Spendernummer im Zentralen Knochenmarkspenderegister für Deutschland ZKRD in Ulm aufgenommen und steht dort für Patientenanfragen zur Verfügung.

 

Wenn alles stimmt…

Stimmen die Gewebemerkmale mit denen eines Patienten überein, erhält der potentielle Zellspender einen ausführlichen Fragebogen. Es geht darum, Risiken für die Gesundheit zu vermeiden. Die Blutprobe wird noch einmal mit der des Patienten verglichen. Jetzt erst muss ein Spendenwilliger entscheiden, ob er auch tatsächlich Knochenmarkzellen spenden will. Nach einer positiven Entscheidung folgt ein gründlicher Gesundheitscheck.

 

Die Entnahme der Stammzellen

Dabei gibt es zwei Verfahren: Die klassische Knochenmarkentnahme und die so genannte „periphere Stammzellentnahme“.

Knochenmarkentnahme

Bei der Knochenmarkentnahme wird dem freiwilligen Spender unter Vollnarkose ein Gemisch aus Knochenmark und Blut aus dem Beckenknochen entfernt (etwa ein Liter). Zurück bleiben zwei kleine Narben über dem Gesäß. Nach ca. 2 bis 3 Tagen im Krankenhaus kann der Spender wieder nach Hause gehen. Das Risiko für den Knochenmarkspender ist gering. Es beschränkt sich im Wesentlichen auf das übliche Narkoserisiko.

Periphere Stammzellentnahme

Bei der peripheren Stammzellentnahme wird dem freiwilligen Spender über mehrere Tage ein körpereigener hormonähnlicher Stoff gegeben. Dieser so genannte „Wachstumsfaktor“ regt die Bildung von Stammzellen an. Die Blutstammzellen werden über ein spezielles Verfahren aus dem Blut gesammelt – dazu ist keine Operation und damit auch keine Narkose notwendig.

 

Wer kann Knochenmark spenden?

Knochenmarkspender kann jeder werden, der zwischen 18 und 55 Jahre alt ist. Er muss mindestens 50 Kilogramm wiegen, darf nicht stark übergewichtig sein und muss in guter körperlicher Verfassung sein.

 

Wer kann nicht spenden?

Bestimmte Krankheiten schließen eine Aufnahme in die Knochenmarkspenderdatei aus. Dazu gehören unter anderem: Herz-Kreislauferkrankungen, wie Herzinfarkt, Herzschwäche, behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörungen, ein schlecht eingestellter Bluthochdruck. Atemwegserkrankungen, wie schweres Asthma, chronische Bronchitis, Lungenfibrose, Lungenembolie. Blutgerinnungsstörungen, wie Bluterkrankheit, tiefe Venenthrombose. Psychische Erkrankungen, wie Depression, Schizophrenie, Epilepsie. Autoimmunerkrankungen, wie bestimmte rheumatische Erkrankungen oder chronische Entzündungen des Darms (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa). Ansteckende Krankheiten, wie Hepatitis B und C, HIV-Infektion.

 

Muss ich etwas bezahlen, wenn ich Knochenmark spende?

Wenn es zu einer Knochenmarkspende kommt, dann trägt die Krankenkasse die Kosten für alle notwendigen Untersuchungen und Behandlungen des Lebensspenders sowie für den Krankenhausaufenthalt. Die Krankenkasse des Patienten kommt für diese Kosten auf – ebenso wie für einen eventuellen Verdienstausfall, für Reisekosten etc.

 

Stammzellen aus Nabelschnurblut

Aus dem Nabelschnurblut, auch Plazenta-Restblut genannt, lassen sich Stammzellen gewinnen und für eine Knochenmarktransplantation nutzen. Der Grund: Zum Zeitpunkt der Geburt hat das Blut in der Nabelschnur einen hohen Anteil an Stammzellen. Die Stammzellen, die aus einer Nabelschnur gewonnen werden, reichen für die erfolgreiche Behandlung eines Kindes bis 30 Kilogramm Körpergewicht.

 

Ein umstrittenes Angebot

Ob sich das Verfahren auf lange Sicht auch für erwachsene Patienten eignet, ist noch umstritten. Einige Mediziner wenden ein, die Zahl der Zellen aus einer einzigen Nabelschnur sei zu gering, um einen Erwachsenen optimal zu behandeln. Es dauere zu lange, bis das Immunsystem sich wieder erholt hat. In dieser Zeit seien die Patienten sehr anfällig für lebensgefährliche Infektionen. Wie sinnvoll ist es, Nabelschnurblut nach Geburt für ein Kind einfrieren zu lassen? Kommerzielle Blutbanken bieten werdenden Eltern an, Nabelschnurblut gegen Geld einzulagern, als „biologische Vorsorge“ für das Kind, wie es auf der Internet-Homepage eines Unternehmens heißt. Das eingefrorene Blut wird nicht – wie bei den öffentlichen Blutbanken – eines Tages das Leben eines Fremden retten. Es bleibt persönliches Eigentum. Das Kind soll im Fall einer künftigen schweren Krankheit auf sein eigenes Blut zurückgreifen können. Kritiker wenden ein, hier werde ein Geschäft mit der Angst der Eltern gemacht. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass ein Mensch sein eigenes Nabelschnurblut eines Tages tatsächlich brauche. Bei einer Blutkrebserkrankung dürfe ohnehin nicht das eigene Nabelschnurblut zum Einsatz kommen. Und auch ob sich Blutstammzellen aus der Nabelschnur tatsächlich eines Tages Ersatzgewebe und -organe züchten lassen werden, ist heute unklar.